Konflikte - Nahost: Schwere Kämpfe in Gaza

Tel Aviv/Gaza (dpa) - Eine Woche nach Beginn der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen werden die erbitterten Kämpfe immer verlustreicher. Am Donnerstag wurden mindestens 51 Palästinenser getötet, unter ihnen viele Zivilisten, teilten die örtlichen Rettungsdienste mit.

Bei einem israelischen Granatenangriff auf eine UN-Schule im nördlichen Gazastreifen starben nach palästinensischen Angaben mindestens 15 Menschen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hob ungeachtet neuer Raketenangriffe das Flugverbot wieder auf.

Wie die FAA bekanntgab, darf der Flughafen Ben Gurion seit 05.45 Uhr (MESZ) am Donnerstag wieder von US-Airlines angeflogen werden. Auch der britische Billigflieger EasyJet kündigte die Wiederaufnahme des Flugbetriebs nach Israel an. Andere Fluglinien wie die deutsche Lufthansa wollten jedoch vor einer Wiederaufnahme der Flüge weiter abwarten. Fast zeitgleich wurden über dem Großraum Tel Aviv wieder fünf aus dem Gazastreifen abgefeuerte Raketen abgefangen. Die radikal-islamische Hamas teilte mit, sie ziele weiter auf den Flughafen bei Tel Aviv.

Der israelische Transportminister Israel Katz sprach von einer «sehr wichtigen Entscheidung» der FAA. Man habe vorher «auf allen Ebenen» agiert. «Wir haben erklärt, wie sicher der Himmel über Israel ist, wie sicher der Flughafen ist», sagte Katz dem israelischen Rundfunk.

Die Zahl der Toten im Gazastreifen stieg seit Beginn der israelischen Militäroffensive am 8. Juli am Donnerstag auf 746. 4640 Palästinenser wurden verletzt. Auf israelischer Seite starben bisher mindestens 32 Soldaten und drei Zivilisten.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ keine Bereitschaft zu einer Einstellung der Kampfhandlungen erkennen. «Wir treiben unsere Operationen in Gaza mit voller Kraft voran, in der Luft und am Boden», sagte er vor einer Kabinettssitzung. Der britische Außenminister Philip Hammond drängte hingegen kurz zuvor in einer Unterredung mit Netanjahu: «Es ist nötig, die Bodenoperationen in Gaza möglichst schnell zu einem Abschluss zu bringen.»

Bei dem Granatenangriff auf die UN-Schule in Beit Hanun wurden nach palästinensischen Angaben auch mehr als 200 Menschen verletzt. Es habe sich um eine Schule des UN-Hilfswerks für Palästinenser (UNRWA) gehandelt, in der Flüchtlinge Schutz gesucht hätten. Eine israelische Armeesprecherin sagte am Donnerstag in Tel Aviv, man prüfe den Bericht.

Israel wirft der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, immer wieder aus dicht bewohnten Vierteln die Armee anzugreifen und so den Tod von Zivilisten in Kauf zu nehmen. 

Israelische Medien berichteten von Bemühungen um eine fünftägige humanitäre Feuerpause zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas. In der Zeit sollten die Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe weitergehen.

Hamas-Exilchef Chaled Maschaal hatte am Mittwochabend die Zustimmung seiner Organisation zu einer Vereinbarung mit Israel erneut von einem Ende der Blockade des Gazastreifens abhängig gemacht. US-Außenminister John Kerry reiste nach Vermittlungsgesprächen in Israel und den Palästinensergebieten wieder nach Kairo.

Mehr als 141 000 palästinensische Flüchtlinge haben nach UN-Angaben bisher Schutz in mehr als 80 Schulen des Palästinenserhilfswerks UNWRA gesucht. Nach Informationen des UN-Amts für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) hat die israelische Armee einen drei Kilometer breiten Streifen, 44 Prozent des Gazastreifens, zum Kampfgebiet erklärt, das von Zivilisten nicht betreten werden dürfe.

Der UN-Menschenrechtsrat will angesichts der Kämpfe eine Überprüfung wegen möglicher Kriegsverbrechen einleiten. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, bezweifelte, dass Israel alles tue, um zivile Opfer zu vermeiden. Jede Warnung vor einem Angriff müsse den Menschen, darunter Alten und Kranken, auch die Zeit zur Flucht geben. Sie verurteilte auch die wahllosen Angriffe militanter Palästinenser auf israelische Ortschaften. 

Israels Außenminister Avigdor Lieberman kommentierte das mit den Worten, der UN-Menschenrechtsrat sei «schon lange zu dem Rat für die Rechte der Terroristen geworden».

Überschattet vom Gaza-Krieg wollte der israelische Präsident und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres am Donnerstag sein Amt an Nachfolger Reuven Rivlin übergeben.

Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) reagierte empört auf einen anti-israelischen Vorfall bei einem Fußballspiel in Bischofshofen. Ein Testspiel des israelischen Fußballclubs Maccabi Haifa in Bischofshofen war am Vortag nach pro-palästinensischen Demonstrationen auf dem Platz abgebrochen worden.

FAA-Mitteilung

Analyse zur politischen Situation der Palästinenserführung, CFR, Englisch

Analyse zu den Beziehungen Israel-Palästinenser, WSJ-Blog, Englisch

Israelische Armee auf Twitter

Flughafen Ben Gurion

Rede Pillay

Rettungsbehörden in Gaza

erschienen am 24.07.2014 um 16:38 Uhr

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