Turnen - WM: Hambüchen und Co. schwitzen in subtropischen Gefilden

Nanning (dpa) - Auf den Boulevards promenieren die Chinesinnen mit Sonnenschirmen, den Athleten läuft der Schweiß von der Stirn. Solch eine heiße Weltmeisterschaft im Oktober haben die Top-Turner noch nie erlebt.

«Am Morgen zeigte die Wetter-App auf dem Handy 94 Prozent Luftfeuchtigkeit. Der Wahnsinn», wunderte sich Sven Karg, der Teamchef der deutschen Turner am Tag vor der WM-Eröffnung im chinesischen Nanning. Während bei den subtropischen Verhältnissen auf der Straße jeder Schritt zu viel ist, sorgt in den Hallen die Kühltechnik mitunter für extreme Zugluft.

Viele Turner hadern mit der feuchten Hitze von über 35 Grad, andere nehmen es leichter. «Mir ist es lieber, als wenn hier minus 30 Grad wären», meinte Mehrkampfmeisterin Kim Bui aus Stuttgart am Donnerstag nach dem Podiumtraining der deutschen Turnerinnen, die auch in der Qualifikation am Montag in den Morgenstunden (MESZ 03.00 Uhr) vorlegen müssen. «Ich hoffe nur, dass die Kampfrichter da auch schon hellwach sind», meinte Cheftrainerin Ulla Koch.

Die extremen Temperaturen und die Erkältungsgefahr in den stark heruntergekühlten Arenen blendet die Cheftrainerin aus. «Da müssen alle durch. Ich liebe die Hitze, war im Urlaub zuletzt in der Karibik», meinte die Chefin schmunzelnd. Nach Platz vier bei der EM in Sofia traut sie ihrer Riege nun den Einzug in das Teamfinale der besten Acht zu. In der Trainingswoche von Tokio habe sich das Team gut akklimatisiert, damit der Temperatur-Schock nach Abreise aus der Heimat nicht zu groß wurde.

Bevor es für die Damen ernst wird, stehen die deutschen Turner vor ihrer Hitze-Bewährung. Am Freitag beginnt der Mammut-Vorkampf über zwei Tage mit Athleten aus 74 Nationen, die deutsche Riege steht am Samstag im zehnten und letzten Durchgang auf dem Prüfstand. Die Medaillen-Hoffnungen trägt einmal mehr Fabian Hambüchen, der am Reck und auch im Mehrkampf die Podestplätze angreift. «Das Training in Tokio war echt super. Jetzt bin ich richtig fit», stellte er zuversichtlich fest.

Der Hitze in der 7-Millionen-Metropole unweit der vietnamesischen Grenze begegnet der deutsche Vorturner routiniert und vorsorglich. «Ich find's cool», meinte er ganz relaxt. «Ich habe in den Hallen immer einen Pullover oder ein Handtuch dabei, das ich mir zum Schutz gegen Zugluft in den Nacken packe», erzählte er. Auch im Bus, der die Athleten vom Hotel zu den hypermodernen Sportstätten befördert, sind die Temperaturen extrem heruntergekühlt und bergen Erkältungsgefahren für die Turner.

Teamarzt Hans-Peter Boschert reagiert nur mit einem Schulterzucken auf die Frage, wie sich die Athleten angesichts dieser ungewohnten Bedingungen schützen könnten. «Da kann man nichts machen. Jeder muss selbst auf sich aufpassen.» Und Männer-Cheftrainer Andreas Hirsch gewinnt der Schwüle etwas Positives ab. «China zeigt sich hier für uns von seiner Sonnenseite. Seit meinem Vietnam-Urlaub vor sechs Jahren liebe ich dieses Klima, auch wenn es freilich angesichts der sportlichen Belastungen für die Turner nicht gerade förderlich ist.»

Sein Team will nach den verletzungsbedingten Ausfällen von Marcel Nguyen und Matthias Fahrig mit drei WM-Neulingen den Kampf um einen Platz im Team-Finale aufnehmen. Das Minimalziel mit dem Sprung in die Top 24 und die damit verbundene Startberechtigung für die Olympia-Qualifikation bei der WM 2015 sollte trotz aller Probleme nicht in Gefahr geraten.

Geräte-Besetzungen auf DTB-online

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Statistik-Angaben zu deutschen Turnern

erschienen am 02.10.2014 um 10:21 Uhr

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