Fußball - Deutschland: Chef Schweinsteiger «sprüht weiter vor Ehrgeiz»

Düsseldorf (dpa) - Jetzt ist er auch ganz offiziell der Chef. Der emotionale Leader, wie Weltmeistercoach Joachim Löw den Münchner Bastian Schweinsteiger schon seit Jahren bezeichnet, wird in den kommenden zwei Jahren als Kapitän die Fußball-Nationalmannschaft anführen.

Dass der Bayern-Antreiber beim Neustart des DFB-Teams gegen den WM-Finalgegner Argentinien nicht dabei sein kann, erinnert noch mal an Schweinsteigers größten und hingebungsvollsten Kampf seiner Karriere. «Schauen Sie sich die Bilder vom Finale an, was er da für die Mannschaft, für uns geleistet hat. Natürlich auch in den Spielen zuvor», erklärte Löw in Düsseldorf.

Im legendären Maracanã-Stadion hatte sich Schweinsteiger aufgeopfert. Die Wunde unter seinem rechten Auge war die sichtbare Erinnerung. «Ich wollte mit aller Gewalt so weit wie möglich kommen», sagte der Münchner nach dem Triumph. Über Gründe für die Beförderung des «Vize» zum ersten Anführer musste der Bundestrainer nicht mehr lange sprechen. «Bastian Schweinsteiger hat immer große Verantwortung übernommen, wenn es darauf ankam», betonte Löw: «Er ist der legitime Nachfolger von Philipp Lahm, er hat ihn ja auch vertreten.» Auch für Franz Beckenbauer ist es die genau richtige Entscheidung: «Er war Vize-Kapitän, jetzt ist er Kapitän. Alles andere wäre Misstrauen gewesen», sagte der Weltmeister-Trainer von 1990.

Der Kraftakt beim 1:0-Finalsieg am 13. Juli in Rio de Janeiro gegen Argentinien und in den Wochen zuvor wirkt für Schweinsteiger noch nach. Wegen einer hartnäckigen Knieverletzung (Patellasehne) verpasste der inzwischen 30-Jährige den Saisonstart und muss weiter pausieren. Auf Löws Entscheidung hatte dies keinen Einfluss: «Die Verletzung ist nicht solcher Natur, dass er monatelang ausfallen wird. Ich hoffe, das er schnellstmöglich zurückkehrt. Ich vertraue ihm absolut. Er hat ein großes Ziel - die EM 2016.»

«Es ist eine Ehre und Freude, aber zugleich eine Verpflichtung», erklärte der 30 Jahre alte Münchner nach der Entscheidung des Bundestrainers. «Joachim Löw und ich arbeiten jetzt seit 2004 zusammen, und diese gemeinsame Zeit, die mit dem Gewinn des WM-Titels einen Höhepunkt hatte, schweißt natürlich zusammen. Insofern habe ich es als Privileg und auch als Anerkennung empfunden, gewissermaßen als Erster unter Gleichen ernannt zu werden», kommentierte er auf der Verbands-Homepage.

Anders als Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker sah Schweinsteiger nach den «magischen Momenten» von Brasilien (Löw) keinen Anlass, seine DFB-Karriere zu beenden. «Ich habe gespürt, dass er weiter vor Ehrgeiz nur so sprüht», berichtete Löw von einem Treffen mit seinem neuen Kapitän in München. «Er genießt eine hohe Akzeptanz innerhalb der Mannschaft, ist ein guter Kommunikator.»

Bei der Neuauflage des WM-Endspiels in Düsseldorf wird Torhüter Manuel Neuer die Kapitänsbinde tragen. Einen festen Stellvertreter von Schweinsteiger gibt es aber nicht. Neuer gehört wie Sami Khedira, Thomas Müller, Mats Hummels und Kapitän Schweinsteiger dem neu zusammengestellten Mannschaftsrat an. «Dass wir keine Führungsspieler haben, ist völlig widerlegt worden», unterstrich Löw nochmals mit dem Hinweis auf die WM-Taten.

Schweinsteiger-Interview auf der DFB-Homepage

erschienen am 02.09.2014 um 18:45 Uhr

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