Radsport - Doping: UCI bremst Astana-Team aus - Nibali droht Tour-Aus

Lausanne (dpa) - Der Radsport-Weltverband UCI hat Ex-Dopingsünder Alexander Winokurow und seinem höchst umstrittenen Astana-Team um Tour-Sieger Vincenzo Nibali die Rote Karte gezeigt.

Die UCI sprach sich für einen Lizenzentzug der schwer in Verruf geratenen Mannschaft aus Kasachstan aus, nachdem eine Untersuchung des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Lausanne offensichtlich die Dopingvorwürfe erhärtet hatte. Damit droht Vorjahressieger Nibali bei der am 4. Juli beginnenden Frankreich-Rundfahrt die Zuschauerrolle.

Dunkle Schatten wirft die Causa auch auf die Bewerbung Almatys für die Olympischen Winterspiele 2022. Erst auf großen öffentlichen Druck hin war Winokurow in der vergangenen Woche als Olympia-Botschafter zurückgetreten, nachdem das Organisationsteam den als Dopingsünder überführten Volkshelden und Olympiasieger von London bis zuletzt verteidigt hatte.

Es habe «große Unterschiede» zwischen der vom Team proklamierten Anti-Doping-Politik und der Realität vor Ort gegeben, hieß es in einem Schreiben der UCI. Außerdem erhielt der Weltverband nach eigenen Angaben Material von der Staatsanwaltschaft Padua. Bei den Dopingermittlungen der Behörden in Italien sind demnach ebenfalls Mitglieder des Teams betroffen. Eine endgültige Entscheidung muss nun die Lizenzkommission treffen, alles andere als ein Fahrverbot für Winokurows Mannschaft wäre aber eine große Überraschung.

Denn zum Ende der vergangenen Saison hatte es fünf Dopingfälle innerhalb des Teams gegeben, woraufhin Winokurow («Wir haben nichts zu verbergen, wir sind transparent») zum Rapport bei der UCI antreten musste. Die Lizenzvergabe war damals mit der Auflage verknüpft worden, dass eine Untersuchung der Universität Lausanne durchgeführt wird. Trotzdem hatte UCI-Chef Brian Cookson vom «frustrierendsten Tag meiner Präsidentschaft» gesprochen.

Frustriert dürften nun Winokurow und Co. sein. Seit Jahren gilt der frühere Telekom-Profi als eines der schwärzesten Schafe im Radsport. 2007 hatte Winokurow die Frankreich-Rundfahrt mit seinem positiven Fall wegen Fremdblutdopings an den Rande des Abgrunds gebracht. «Die Zeiten haben sich verändert», beteuerte Winokurow noch im Sommer während der Tour. Doch der Generalverdacht fuhr bei den Männern in den hellblauen Trikots stets mit.

Zumal immer wieder neue Vorwürfe auftauchten. Demnach sollen die Ermittler in Padua herausgefunden haben, dass der Teamchef und Teile seiner Mannschaft Kontakt mit dem auf Lebenszeit gesperrten Dopingarzt Michele Ferrari gehabt hätten, was Winokurow als «große Lüge» bezeichnete. Laut der italienischen Zeitung «Gazzetta dello Sport» gebe es aber entsprechende Fotos aus dem Trainingscamp vom November 2013. Dazu kamen die Dopingfälle der Iglinsky-Brüder Maxim und Valentin sowie der Talente Ilja Dawidenok, Viktor Okischew and Artur Fedossejew aus dem eigenen Continental-Team, was laut Winokurow nur «Einzelfälle» waren.

Erhält das Astana-Team keine WorldTour-Lizenz, wäre es auf Wildcards für die großen Rennen angewiesen. Die dürfte Tour-Chef Christian Prudhomme kaum ausstellen. Schon 2008 war der Rennstall nicht für die große Schleife zugelassen worden. Damals hatte die Entscheidung zur Folge, dass Alberto Contador seinen Sieg von 2007 nicht verteidigen konnte - ein Schicksal, dass nun Nibali droht.

UCI-Pressemitteilung

Homepage Team Astana

erschienen am 27.02.2015 um 12:32 Uhr

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